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Dienstag, 23. August 2011

Make me a Woman von Vanessa Davis

Im aktuellen Missy Magazine ist das Dossier Comics aus weiblicher Hand gewidmet. Der kurze Beitrag zu Make me a Woman von Vanessa Davis hat mich neugierig gemacht, also habe ich es mir direkt mal für mein Bücherregal besorgt. 
In Make me a Woman versammelt Vanessa Davis allerhand Comicstrips, Figurenstudien und gezeichnete Tagebucheinträge aus den Jahren 2004 bis 2010. In ihren Zeichnungen macht sie sich selbst zur Protagonistin.

Startpunkt für ihre Comic-Karriere sind ihre Tagebucheinträge, wie sie im Interview mit The Rumpus verrät. Vanessa hat eine Art School abgeschlossen, kann mit der "whole fine art world" aber nicht sonderlich viel anfangen. In New York lernt sie schließlich andere Cartoonistas kennen und beginnt, ihre Zeichnungen in Zines und Anthologien zu veröffentlichen. 

Die Geschichten sind recht kurz, maximal drei Seiten lang. Aber dadurch, dass verschiedene Charaktere immer wieder auftauchen, hängen die Stories eben doch zusammen. Ihre jüdische Familie taucht zum Beispiel immer wieder auf. 

Vanessa  verhandelt in ihren Geschichten vieles, was sie in ihrer Kindheit geprägt hat, zum Beispiel die Aufenthalte in Sommercamps (die Geschichte über den Aufenthalt im Fat Camp ist besonders witzig) und Familienfeiern.

Aber auch ihr Alltag als erwachsene Frau in New York und später Santa Rosa, Kalifornien, wird zum Thema. Liebschaften, Freundschaften, Partynächte, Job, das Zeichnen... alles findet sich in Make me a Woman wieder. Vanessa Davis wirkt durch ihren Comicband extrem offen und selbstreflexiv.

Montag, 22. November 2010

Die zwei Seiten der Lush-Medaille

Eigentlich scheint Lush ja echt eine schöne Sache zu sein. Kosmetikprodukte, Seifen, Badezusätze und und und komplett frei von Tierversuchen, häufig frei von tierischen Produkten. Irgendwie kommt der Laden auch in Genderfragen ganz gut rüber, wenn die Verkäuferinnen gern mal mit Bart durch den Laden laufen, wie kürzlich in der Kölner Filiale Hohestraße. 

Allerdings scheint das nur die eine Seite der Lush-Medaille zu sein! Die andere Seite offenbart merkwürdige Werbeaktionen am Rande der Legalität, zeigt wie Verkäuferinnen dazu erzogen werden, ihre sexuellen Reize  offensiv für den Verkauf zu nutzen... und wer sich weigert, ist für Lush Geschichte.

Anfang November veröffentlichte der Journalist Hannes Grasegger auf verschiedenen Plattformen Beiträge über die Arbeitsbedingungen bei Lush. Und diese Informationen klingen dann gar nicht mehr so bunt und lustig und unterstützenswert. Grasegger spricht auf Zeit.de von "Öko-Prostitution", auf t-online.de bezeichnet er Lush als "Eine schmierige Naturkosmetikkette", ähnliche Inhalte veröffentlichte er bei der Financial Times und bezieht sich damit auch auf einen älteren Artikel von Kristina Läsker in der Onlineausgabe der Süddeutschen.

Lush streitet jegliche Vorwürfe ab und so steht dann wohl Aussage gegen Aussage.

Montag, 18. Oktober 2010

Covergirls

Seit Beginn des Jahres 2010 verzichtet die Frauenzeitschrift Brigitte komplett auf professionelle Models auf dem Cover und auch innerhalb des Heftes (Eine Ausnahme bildet die Berichterstattung zu Modeschauen etc.). Das Interesse am neuen Konzept war groß. In sämtlichen Medien wurde diskutiert, Modeschöpfer, Models und sonst wer äußerten sich zu der Idee der Brigitte. Die Kritik erstreckte sich von Beigeisterung bis hin zu Empörung. Die Zeitschrift selbst vermarktet ihre Idee nach wie vor als Erfolg.
 
Quelle

Nur noch normale Frauen auf dem Titelbild einer Zeitschrift mit einer Auflage von knapp 800.000 - ist doch toll! Mag die eine oder der andere denken. Ja sicher, Leser_innen sehen sich nicht mehr mit makellos schönen Models konfrontiert, die eine Kleidergröße tragen, die jenseits von Gut und Böse ist. Was aber blieb, war das Wissen, dass es der Job des Models ist, gut auszusehen, wenig bis nichts zu essen, den ganzen Tag damit zu verbringen, die Haare gebürstet und die Lippen geschminkt zu bekommen. Photoshop tat dann sein Übriges.


Jetzt sind die Models der Brigitte "normale Frauen". Solche, die dann mit 47 drei Kinder zur Welt gebracht haben, nebenher eine Karriere als Staatsanwältin eingeschlagen haben, in der Woche zwei Mal zum Yoga und einmal zum Indonesisch-Kochkurs gehen und nebenher eine glückliche Partnerschaft führen (Die Models werden dem_der Leser_in zum Teil vorgestellt.) Da bleibt dann dem_der Durchschnitssleser_in die Spucke weg.

Donnerstag, 14. Oktober 2010

Männer mit Make-Up

Bowie auf dem Weg zu Ziggy Stardust
People stared at the makeup on his face
Laughed at his long black hair, his animal grace
The boy in the bright blue jeans
Jumped up on the stage
And lady stardust sang his songs
Of darkness and disgrace

And he was allright the band was altogether

Yes he was allright the song went on forever:
And he was awful nice
Really quite out of sight
And he sang all night long

David Bowie - Lady Stardust



Männer mit Make-Up sind in der Popkultur nichts Neues. Schon  zu Little Richards Bühnenoutfit gehörte eine Portion Mascara und spätestens seit David Bowie und vielleicht Ozzy Osbourne kräht kein Hahn mehr danach, wenn ein männlicher Musiker im Musikvideo Make-Up trägt.

Mittwoch, 13. Oktober 2010

Brustfrust

Es ist ja so eine Sache mit den Brüsten. Früher oder später macht sich wohl jede Frau Gedanken um eine Busen-Verpackung. Sei es des "Sich-erwachse-fühlen-Wollens" wegen oder aus "Schönheitsgründen" oder wegen der Schwerkraft.

Brüste können aber nicht einfach nur Brüste sein wie sie eben sind: mal groß, mal klein, rund, spitz, gleichmäßig und unterschiedlich. Brüste werden in Form gebracht von Busen-Verpackungen. Und dann sehen sie irgendwie alle gleich aus, dank Push-Up-BHs und Wonderbras und wie sie sonst so heißen. Eine Gleichschaltung der Brüste. Sie sind dann möglichst prall und sehen unter T-Shirt und Bluse aus, als wären sie immer gleich. Brustwarzen sind dann auch keine mehr zu sehen, ob es warm ist oder kalt. 

Der C&A-Onlineshop für Mädchen
Schlimm genug, dass erwachsene Frauen sich diesem Stress aussetzen, weil es sich so etabliert hat. (Ja, das BH-Verbrennen für die weibliche Freiheit scheint schon lange vergessen). Auch Mädchen und junge Frauen verpacken ihre Brüste in Büstenhaltern mit Pads, also Verstärkungen und Formgebungen. Bei Karstadt, C&A und in anderen Kinderabteilungen finden sich "sexy" Wäschesets für die Kleinen. Absurd, dass schon junge Mädchen, von C&A mit "Kids" umschrieben, auf eine bestimmte Vorstellung von Körpern gedrillt werden. Es wird nicht die natürliche Brust verpackt, das was da ist, oder eben nicht da ist, wird gefpormt und vergrößert, als ob das einen schönen Menschen ausmachen würde. (Keine Frage, wenn ein junges Mädchen tatsächlich Brüste hat, die gestützt werden müssen, ist es für dieses junge Mädchen sicher angenehmer in der Jugendabteilung einzukaufen, als bei den Damen.)

Die definierten "Idealbrüste" gehen meistens an der Realität vorbei. Brüste sind eben nicht immer groß und nicht immer prall und nicht immer gleich.


 


Donnerstag, 30. September 2010

Die Waffen einer Frau?!

Die Waffen einer Frau - was verbirgt sich eigentlich dahinter? Körperliche Reize? Psychologische Tricks? Im Falle von Lady Gaga und Katy Perry sind die Waffen einer Frau Maschinengewehr-BHs und Schlagsahnedosen. 

2010 scheint popkulturell das Jahr der Brustbewaffnung zu sein. 

Katy Perry setzt in ihrem Video zu "California Gurls" auf die süße Variante. Erst ist sie das süße "Californian Candy Girl", irgendwie als Spielball von Snoop Dogg auf dem Schlaraffenland-Spielfeld. Dann fällt sie, paradiesgleich, auf die Schlange rein. Anstatt aber aus dem Schlaraffenland rausgeworfen zu werden, singt sie fortan nackt auf einer Wolke aus Zuckerwatte. 

Die süße Variante der Brustbewaffnung
Später tanzt sie dann mit ihren "California Gurls" und bewaffnet ihre Brüste mit Schlagsahne-Dosen. Sie schießt Snoop Doggs Gummibärchen-Armee ab. Snoop Dogg, eben noch der Spielleiter, ergibt sich schließlich. 

Was will uns Katy nun damit sagen? "Die Waffen einer Frau richtig eingesetzt - und Du machst Dir sogar Snoop Dogg gefügig?" oder "Ich bin so süß, dass ich platze?". Richtig viel Message ist jedenfalls weder im Song noch im Video zu finden. 

Der Spaß steht im Vordergrund, wie schon in "I Kissed A Girl", wo sicher nicht die Etablierung gleichgeschlechtlicher Liebe intendiert war. Wie sollte das auch funktionieren von jemandem, der "gay" als Schimpfwort benutzt (vgl. "Ur So Gay"  aus dem Album "One Of The Boys")? So reiht sich auch Katy Perrys Brustbewaffnung in die stumpfe und inhaltslose Präsentation des konservativen California Girls ein. 

Anders sieht es da in Lady Gagas Video zum Song "Alejandro" aus. Das vielschichtige Video unter der Regie von Steven Klein bietet viele Ebenen und Interpretationsansätze: Nähe zu Madonna Videos wie "Express Yourself" oder "Justify My Love", Okkulte Symboliken, Anlehnung an Riefenstahl-Ästhetiken und und und. Aber auch im Kontext von Lady Gagas Einsatz für die Akzeptanz offen Homosexueller bei der US Army und anderswo lässt sich das Video lesen.