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Sonntag, 27. Juli 2014

Blattkritik: Die Preziöse # 3 - fiber # 24 - Queerulant_in # 7

Drei wunderbare queer-feministische Magazine enterten in den letzten Wochen meinen Briefkasten: Die Berliner Preziöse, die Wiener fiber und die Gießener Queerulant_in. Ich will die Gelegenheit nutzen und sie in einem Sammelbeitrag besprechen. Zwei der Magazine könnt ihr haben, aber dazu später mehr.

Über Die Preziöse, das queere Gesellschaftsmagazin, habe ich hier ja schon zwei Mal geschrieben: Als das Magazin launchte, freute ich mich über Zuwachs für die feministische Zeitschriftenlandschaft, lobte, dass das Heft im Bahnhofsbuchhandel verfügbar ist und betonte die Heterogenität der Beiträge und der Ästhetik. In der zweiten Ausgabe schienen die Preziösen ein bisschen mehr bei sich zu sein, die Themenvielfalt war gelungen, auch wenn der Umfang geschrumpft war und die Zeitschrift nicht mehr am Bahnhofsbuchhandel verfügbar war, fiel mein Fazit positiv aus. 

Dienstag, 15. Oktober 2013

Blattkritik: Die Preziöse #2

Es ist noch gar nicht so lange her, dass die erste Ausgabe des Magazinprojekts Die Preziöse erschienen ist. Im Mai erschien die Nummer, die ich auch hier im Blog besprochen habe. Kurzer Recap: Auf 112 Seiten fand sich eine bunte Mischung aus Themen und Schreibstilen für Leser_innen mit verschiedenem Vorwissen, allesamt dem Untertitel "queeres Gesellschaftsmagazin" unterzuordnen. Der Eindruck schwankte zwischen DIY-Zine und professionellem (nicht glänzendem) Hochglanzmagazin aus dem Bahnhofsbuchhandel.

Und das fand ich grad gut, Die Preziöse war im Bahnhofsbuchhandel verfügbar. Ja, richtig - war. Inzwischen ist die zweite Ausgabe erschienen und sie fand den Weg zu mir dieses Mal per Post. In den Bahnhöfen der Welt ist Die Preziöse leider nicht mehr verfügbar. Was viele nicht wissen: Der Bahnhofsbuchhandel fordert feste Zusagen für Veröffentlichungstermine und auch ganz gut Geld, damit die Zeitschrift zum Verkauf angeboten werden kann. Das sind Voraussetzungen, die vor allem für kleine Magazine nicht leicht erfüllbar sind. Und so gibt es manche Magazine von vornherein nur im gut sortierten Fachhandel oder online... und Die Preziöse muss jetzt leider den Schritt zurück gehen und sich ebenfalls auf andere Vertriebswege konzentrieren. (Am einfachsten ist das Magazin sicher über die eigene Homepage zu beziehen, dort können auch Abos abgeschlossen werden.)

Donnerstag, 8. August 2013

Dies und das und differentneeds

Abonent_innen und Autor_innen vom Missy Magazine sollten heute mal ihren Briefkasten checken. Die neue Ausgabe ist raus! Schön bunt - innen und außen - und proppenvoll mit Stories übers Scheitern, Kuh-Photos, Katzenbärten und und und. 

Von mir sind auch wieder zwei Kleinigkeiten drin: Für die Sex-News habe ich "Hinter schwulen Lachern - Homosexualität bei den Simpsons" von Erwin In Het Panhuis besprochen und im Rezensionsteil findet ihr einen Text zu Barbara Yelins Comicstrips "Riekes Notizen", die jüngst bei Reprodukt erschienen sind.

Wer das Missy heute noch nicht im Briefkasten hatte, geht ab Montag in den Zeitschriftenladen des Vertrauens. Meine zweite Ausgabe bekommt Emmi mit der Post!

Donnerstag, 1. August 2013

Gelesen: HRVST:Youth

Also, dass mich dieses Hardcore-Punk-Unity-Gequatsche so richtig mitgerissen hat, ist schon eine Weile her. Neulich während der Madball-Show beim Essen Nord Open-Air ist mir das nochmal sehr klar geworden. DIE eine Szene gibt es nicht. Da kann Freddy noch so oft von "family" reden. 

Trotzdem gibt es auch nach über zehn Jahren "in der Szene" immer mal wieder dieses heimelige Gefühl. Immerhin sind sehr gute Freundschaften und spannende Bekanntschaften gewachsen und das eine oder andere Projekt reißt nach wie vor mit. (Orbit The Earths LP Aphelion zum Beispiel. Ein Review von mir wird es in der kommenden testcard geben...)

Das sind Projekte, in die Menschen ihr Herzblut stecken, mit denen ich mich irgendwie verbunden fühle, weil ich weiß, dass wir durch die Musik und das Drumherum irgendwie eine ähnliche Basis haben. Auch das HRVST ist so ein Herzblut-DIY-Projekt. Unter das Motto "one issue. one topic. strong hearts and minds to define" haben Hendrik Thiele und Sebastian Thauer schon die erste Ausgabe mit dem Titel "Death" gestellt. Im Frühjahr ist dann endlich die zweite Ausgabe erschienen. Konsequenterweise versuchen sie damit das andere Ende der Skala abzudecken: "Youth" ist das übergeordnete Thema, dem sich wieder zahlreiche Punk- und Hardcore"kids" in Text- und Bildbeiträgen widmen.

Mittwoch, 22. Mai 2013

Blattkritik: Die Preziöse # 1


Es ist jedes Mal erfreulich, Magazine zu entdecken, die normative Grenzen aufbrechen, erweitern. Zeitschriften, die nicht dem 08/15-Schema entsprechen und eher eine Nische besetzen. Magazine, hinter denen engagierte Menschen mit Idealismus stehen. Und wenn diese Zeitschriften dann noch im Bahnhofsbuchhandel zu bekommen sind und nicht umständlich abonniert werden müssen, oder nur in ausgewählten Buchläden in Metropolen, oder bei Zine-Distros in der Provinz zu bekommen sind, macht es das Projekt gleich noch schöner, weil irgendwie barrierefreier.

Und so könnte Die Preziöse ein neuer Stern am Zeitschriftenhimmel werden. Der Untertitel verspricht ein "queeres Gesellschaftsmagazin". Ein Versprechen, dass der Inhalt durchaus hält. Auf 112 Seiten präsentieren die Macher_innen eine heterogene Themenvielfalt, die sich schriftlich, photographisch und gestalterisch im weitesten Sinn mit - ja, klar! - queeren Gesellschaftsthemen auseinandersetzt.

Mittwoch, 1. August 2012

Gelesen: Decibel - Queens of Noise - Women in Metal

Das Cover der August-Ausgabe
des Decibel
Seit einiger Zeit habe ich regelmäßig die Gelegenheit einen Blick in das Decibel Magazine, eine US-amerikanische Metal-Zeitschrift, zu werfen. Ich lese dann mal mehr, mal weniger interessiert über Bands wie Baroness, Municipal Waste oder Converge. Richtig gekriegt hat mich das Decibel aber erst mit der August-Ausgabe. Titel-Thema: "Queens of Noise. Women in Metal". Auf dem Cover sind drei Protagonistinnen der Szene zu sehen (Laura Pleasants, Marissa Martinez und Mlny Parsonz) und zwar nicht in objektifizierender Pose, wie ich das schon Mal kurz für andere Musikzeitschriften angesprochen habe, sondern selbstbewusst und so von unten abgelichtet irgendwie auch mächtig.

Sonntag, 15. April 2012

Gelesen: EMMA-Dossier zu Frauen in Studium und Wissenschaft

18 Prozent. Was für die FDP wohl immer unerreichte Utopie bleiben wird, ist für die Frauen in der Wissenschaft Wahrheit. Allerdings gibt es für sie keinen Grund, sich über die 18 Prozent zu freuen. Denn die 18 Prozent stehen für die Anzahl von weiblich besetzten Professuren in Deutschland.

Für Leute, die wie ich, eine Geisteswissenschaft studieren, mag das nach wenig klingen, sind in diesem Bereich doch relativ viele Frauen in hohen Positionen vertreten. Aber ein Blick in Institute jenseits der Germanistik etc. zeigt, dass dort vor allem Männer die Professuren besetzen. Und auch die Rektor_innenposten an deutschen Hochschulen werden laut EMMA vor allem von ihnen besetzt (89 Prozent).

Dienstag, 29. November 2011

Blattkritik: "Fräulein" die Zweite

Neulich kam das Gespräch im Bekanntenkreis auf das immernoch recht neue Fräulein Magazin. Das Missy Magazine sei ja eine coole Zeitschrift, aber für einige vielleicht zu direkt, zu politisch. Das Fräulein dagegen würde auf sanfte Art ein neues Frauenbild propagieren und Emanzipation als Selbstverständnis präsentieren.


Die zweite Ausgabe des Fräulein ist schon im Sommer irgendwann erschienen. Das Cover präsentiert geschminkte Ungeschminktheit und eine Miezekatze - Tierchen kommen immer gut. Angekündigt wird ein bisschen Politik (Tschernobyl), ein bisschen mehr Mode (Cartier und Bademode) und ein bisschen Angelina Jolie. Außerdem jetzt "24 Seiten mehr". Mehr Platz für Werbung?! Auf die Idee kommt man jedenfalls, denn von den acht (!) Seiten Werbung vor dem Editorial haben die Heftmacher_innen auch bei der zweiten Ausgabe nicht abgesehen. Gut, irgendwie muss sich ein Magazin finanzieren. Aber unterschiedliche Frauen ansprechen wollen und die immer gleichen zeigen (dürr, unterkühlt) widerspricht sich doch irgendwie.

Freitag, 14. Oktober 2011

TOLL. magazin für wundertage

Bildquelle: Aktion Mensch
Ein neues Magazinprojekt hat diesen Herbst das Licht der Welt erblickt: TOLL. magazin für wundertage. Ja, kann man jetzt sagen - noch eine neue Zeitschrift, wer braucht die denn? Das Projekt von Sylvia Heinlein und ihrem Team ist aber durchaus was besonderes!

Menschen mit und Menschen ohne Handicap haben sich hier als Models, Schriftsteller_innen und Lebenskünstler_innen mit interessanten Biographien zusammengetan. Das Ergebnis lässt sich sehen! Optisch kann es locker mit Neon, Missy Magazine und anderen jungen Formaten mithalten. Inhaltlich übertrifft es die bekannten Formate an Kreativität doch ziemlich. Oder wo hat man sonst schon Mal von Giraffen mit hochhackigen Schuhen gelesen?

Samstag, 30. April 2011

Constanze - die Verbündete der Frauen in den 1950er Jahren

Im letzten Dies und das und differentneeds habe ich ja schon erwähnt, dass ich ein paar alte Constanze-Zeitschriften aufgetrieben habe. Vier Ausgaben aus den Jahren 1950, 1951, 1952 und 1960 liegen jetzt auf meinem Schreibtisch und ich werde sie hier nach und nach vorstellen.

Wie im Überblicksartikel auf der Homepage des Wirtschaftswundermuseums zu lesen ist, erschien die erste Ausgabe von Constanze bereits im Jahr 1948. Durch die Nachkriegsjahre hinweg begleitet sie Leserinnen und auch Leser. Die Auflage liegt 1950 schon bei 415.000 Heften. Der Preis von anfangs 60 Pfennig ist sicher nicht teuer, dennoch sind Zeitschriften zu dieser Zeit eher ein Luxusgut. 1969 wird aus der Constanze schließlich die Brigitte, die uns auch heute noch bekannt ist und jüngst durch ihre "Keine Models"-Initiative auch für nicht Leser_innen Thema wurde.

Aber zurück zur Constanze! Die älteste meiner Ausgaben ist Heft Nummer 5 aus dem dritten Jahrgang, also das erste Märzheft 1950 (auf dem Photo in der Mitte zu sehen). Vom Cover lächelt Ingelore Körner, eine Nachwuchsschauspieleren. Sie lächelt übrigens ziemlich groß, was dem ungewöhnlichen Format der Zeitschrift zu verdanken ist (26 x 35 cm). Der Großteil des Magazins ist schwarz/weiß, auf dem Cover und zum Teil auch innen finden sich aber auch rötliche Passagen.

Freitag, 22. April 2011

Dies und das und differentneeds

So, da haben sich mal wieder ein paar nette Sachen angesammelt, über die es sich kurz zu schreiben lohnt. 

Im Emma-Forum tobt eine Disskussion um den bereits hier besprochenenen Beitrag zum Treffen von Redakteurinnen der Emma, des Missy Magazine und von Frau Lila. Reingucken und ein bisschen mitlesen oder gar mitdiskutieren lohnt sich. Die Meinungen gehen nach wie vor weit auseinander.

Und da wir grad schon beim Missy sind... dort ist grad ein Teil des Studiengangs Gender Studies aus Basel zu Gast und bloggt eifrig über Slipeinlagen und Computerspiele. Das ganze läuft übrigens im Rahmen eines Seminars, welches Missy-Chefredakteurin Sonja Eisman veranstaltet. 

Quelle: business-punk.com
Bei den Zeitschriften tut sich grad auch einiges. Kürzlich hatte ich am Düsseldorfer Flughafen ein bisschen Zeit und habe mich im Pressehandel über ein Magazin namens Business Punk amüsiert. Vielleicht auch eine Art Weiterführung des DIY? Nein, eher nicht. Das Layout will sicher hier und da an ein Zine erinnern. Aber Hochglanz plus Business Content, da ist von DIY nichts übrig, wenn überhaupt mal was da war. 

Ein neues Fräulein ist außerdem auch auf dem Markt. Ich hatte schon die Vermutung, es sei nach der ersten Ausgabe bereits wieder ausgestorben. Ist es aber nicht. Dieses Mal habe ich die zwei Euro nicht investiert und werde es auch nicht tun. Beim Durchblättern am Flughafen ähnelte es nämlich sehr der ersten Ausgabe, und warum ich die scheiße fand, kannst Du hier lesen.

Zur Abwechslung habe ich mich dann mal den alten Frauenzeitschriften gewidmet. Constanze war die Vorgängerin von Brigitte und hat in den 1950er und 1960er Jahren schon einiges zu erzählen gehabt. Einen Überblicks-Aufsatz mit vielen Scans von Titelbildern findest Du hier, mehr sicher demnächst auf differentneeds.

Freitag, 8. April 2011

Emma und Missy und Missy und Emma

Die aktuelle Ausgabe der Emma hat schon letzte Woche nach ihrem Erscheinen für Diskussionen gesorgt, einiges davon habe ich hier verlinkt. Inzwischen habe ich mal die zehn Euro investiert und mir die Ausgabe mit den drei Emma-Redakeurinnen, einem Teil der Missy-Chefredaktion und der Bloggerin Katrin Rönicke auf dem Cover gekauft und was soll ich sagen? Einen Teil der Kritik kann ich gut nachvollziehen.

Themen die spannend und wichtig sind wurden zum Teil nur angeschnitten (Pornographie, Prostitution) oder ganz ausgespart (Islam). Die Gäste in der Emma-Redaktion hätten sich und ihre Positionen nicht gut genug klar gemacht, nicht kritisch genug nachgefragt, so Julia Seeliger in der taz und auf ihrem Blog. Ich finde aber gar nicht, dass das das eigentliche Problem bei der Veröffentlichung ist. Zumal, wenn es darum gehen soll, Gemeinsamkeiten heraus zu stellen und sich gemeinsam zu positionieren.

Das eigentliche Problem ist, dass im Gespräch zwar der Tenor herrscht, dass da gleichberechtigte Menschen um den runden Tisch sitzen und dass Gemeinsamkeiten betont werden, dass die Emma-Redaktion aber dennoch eine superiore Position einnimmt. Inwiefern sie das tut? Zum Beispiel indem sie auf dem Titel "Emma meets Mädchen" schreibt, wohlwissend, dass diese Bezeichnung nicht einmal gewünscht ist. Ich finde, dass diese Unterscheidung der "Mütter" von der Emma und der "Mädchen" von Missy Magazine und Frau Lila Mist ist, wenn es doch gerade darum gehen soll, klar zu machen, dass es nicht DEN jungen Feminismus und DEN alten Feminismus gibt, sondern einen Feminismus mit unterschiedlichen Facetten, unabhängig vom Alter. 

Edit: Das gesamte Gespräch ist jetzt hier online!

Montag, 4. April 2011

Dies und das und differentneeds

Ja, so habe ich meinen abschließenden Post beim Missy-Gastblog schon genannt. Von nun an werden unter diesem Titel spannende Geschichten aus anderen Blogs, Zeitschriften und anderen Medien präsentiert. "Vernetzung" lautet das Zauberwort.

Quelle: Emma
Beim morgendlichen Durchblättern der taz ist mir die Kritik "Alice und die Mädels" von Julia Seeliger ins Auge gefallen. Stefanie Lohaus und Chris Köver vom Missy Magazine haben sich mit der Bloggerin Katrin Rönicke von Frau Lila und drei Emma-Redakteurinnen (Alice Schwarzer,  Chantal Louis und Alexandra Eul) getroffen um über Feminismus zu sprechen. "Neuer Feminismus"? "Alter Feminismus"? Gibt es diese Unterscheidung überhaupt? 

Die aktuelle Emma ist seit Donnertag zu haben. Ich habe sie leider noch nicht lesen können. Also fasse ich die Kritik aus der taz und dem Netz mal zusammen. Julia Seeliger kritisiert wohl vor allem, dass hier kein Gespräch auf Augenhöhe stattgefunden hat. Sie schreibt in der taz über Schwarzer: "Die Patriarchin spielt dann ihre jahrzehntelange Talk-Erfahrung in dem Interview auch gnadenlos aus. Alle Themen, die möglicherweise kontrovers sein könnten  – Prostitution, Pornografie, Sexualität, der Kachelmann-Prozess – werden elegant abgeräumt." Und allein vom Lesen des Teasers der Emma kommt eine gewisse Mütterlichkeit rüber. Ist von den Missy-Chefredakteurinnen die Rede, wird von "Mädchen" gesprochen, Seeliger überträgt das ganze dann ins Klum'sche deutsch und übertitelt ihre Kritik mit "Alice und die Mädels". 

Im Netz geht die Diskussion weiter. In Seeligers Blog haben sich inzwischen haufenweise Kommentare angehäuft, die ihr erstes Luftmachen "Spalten bringt manchmal mehr" kommentieren. Ich werd jetzt mal zum Kiosk gehen, und mir die Emma kaufen. Neugierig macht die Kritik und die angeschlossene Diskussion allemal. (Inzwischen hab ich die Emma gelesen. Mehr dazu hier.)
 
Quelle: Frau Lila
Über den taz-Artikel bin ich auch über das neue Blogprojekt Frau Lila gestolpert.  Die Macherinnen der Mädchenmannschaft haben sich hier nochmal verwirklicht und sehen sich als "feministische Initiative" die hier wiederum der Geschlechtergerechtigkeit Gehör verschaffen will. Der Blog bietet einen schönen Überblick über Netzwerke und Blogger_innen zum Thema.

Der Blog Die chaotische Welt der Geschlechter wird von einer Wahl-Wienerin gefüttert, die sich selbst Khaos.kind nennt. Sie schreibt über Politisches, Privates (was ja irgendwie auch immer politisch ist) und lässt immer mal wieder Popkulturelles einfließen. Aber Christina Aguilera? Nee.. 
 
Als coole Idee könnte sich auch die Plattform hatr.org - collecting trolls herausstellen. Hier werden Troll-Kommentare (unsachliche, beleidigende etc.) gesammelt. Das ganze soll dann auch noch ein bisschen Kohle einspielen. Das durch die geschaltete Werbung erwirtschaftete Geld soll dann an unterstützenswerte Projekte gehen. Die Idee zu hatr.org kam den Macher_innen übrigens im Gendercamp 2010, Vorbild ist ein Projekt aus den USA.

Dienstag, 22. Februar 2011

Chris Köver zum Missy Magazine

Sonja Eismann, Chris Köver und
Steffi Lohaus (v.l.n.r.)
Dieses Interview mit Chris Köver ist, gemeinsam mit einem Aufsatz für die medienpädagogische merz-Zeitschrift entstanden (In: Bernd Schorb und Helga Theunert (JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis) (Hrsg.): merz – Zeitschrift für Medienpädagogik. Populärkultur und Medien 55. Jahrgang. Nr. 1 Februar 2011). Das Interview mit Chris, einer der Missy Magazine Herausgeberinnen, wurde im November 2010 via Skype geführt.

Zum Einstieg: Beschreib doch mal kurz das Missy Magazine für jemanden, der_die es noch nie in der Hand hatte!

Das Missy Magazine ist ein Magazin für eine Generation von jungen Frauen, die gleichzeitig auch unsere Generation ist, für die Emanzipation selbstverständlich ist, weil sie damit schon aufgewachsen sind. Entsprechend versuchen wir diese Haltung, die junge Frauen heute haben, mit einem Magazin in dem es um Popkultur, Mode, Sex und Politik geht zu vermitteln. Wichtig sind uns dabei neben der Information und der Unterhaltung zwei Punkte. Das eine ist, dass wir die Leserinnen dazu anregen möchten, selbst aktiv zu werden, also selbst eine Band zu gründen, ein Fanzine zu machen, kreativ zu werden. Und das andere ist, dass es uns mit Missy wichtig ist, dass die Leserin am Ende das Heft mit einem guten Gefühl zuschlagen kann, mit einem Gefühl, dass sie völlig in Ordnung ist, wie sie ist, dass sie eben nicht an sich oder an ihrem Körper rumoptimieren muss. Eher umgekehrt: Unsere Leserin soll sich gut fühlen, wie sie ist, kreativ werden und wissen, dass sie, so wie sie ist, Dinge erreichen kann.

Wie sahen eure Vorerfahrungen im Bereich der Magazinproduktion aus?

Ich habe damals beim de:bug Magazin angefangen und habe danach bei verschiedenen anderen Medien Praktika gemacht und bei Zeit Online volontiert. Ich habe also eine ganz klassische journalistische Ausbildung. Und nach diesem Volontariat habe ich gemeinsam mit Steffi und Sonja das Missy Magazine gegründet. Sonja kommt stärker aus diesem popkulturellen Bereich und hat da Vorerfahrungen. Sie saß fünf oder sechs Jahre bei der Intro in der Redaktion und hat davor schon mal ein feministisches Magazin in Wien mitgegründet, die Nylon. Außerdem hat sie über die Themen Third Wave Feminism, Riot Grrrls, Do It Yourself schon akademisch gearbeitet und mittlerweile auch lehrt an verschiedenen Universitäten. Steffi kommt aus dem linksalternativen Medienbereich, hat alternatives Radio gemacht, hat früher bei Viva gearbeitet und ist durch Missy erst zum Print gekommen.

Montag, 22. November 2010

Das neue Magazin "Fräulein" - Name: Hui. Rest: Pfui!



Gestern habe ich im Bahnhofsbuchhandel das neue Magazin "Fräulein" entdeckt, zwei Euro investiert und das Hochglanz-Heftchen mitgenommen. Das Titelbild wirbt mit Texten zum Körper, Schnittmustern und einem Interview "über dumme Anmachen, Weiblichkeit, Leidenschaft und die zeitgenössische Lady", könnte also von Interesse sein.

Nach acht Seiten Werbung (!!!) - endlich das Editorial. Hier: die Betonung von Liebe und Hingabe für das Projekt "Fräulein". "Fräulein ist eine Mischung aus klassischem Frauen-Magazin und Fanzine." Meine Neugier ist geweckt. Nach dem Werbeüberfall hoffe ich das beste und blättere weiter. Drei weitere Werbeseiten. Es sei noch gesagt, dass es sich hierbei immer um Top-Modelabels handelt (Escada, Jil Sander, Filippa K). 

Dann: das Inhaltsverzeichnis. Nicht wirklich übersichtlich, muss es aber auch nicht sein. Illustriert von Tina Berning ist es aber sehr hübsch. Mein Blättertempo erhöht sich. Anders ist die viele Werbung kaum zu ertragen. Ich bleibe auf einer Seite hängen, die im Grunde auch nichts anderes ist als Werbung. Der Warenfetisch in seiner schönsten Form: hippe Taschenempfehlungen, "herzige" Babyschuhe, Design-Klappbetten... alles wiederum begleitet von Illustrationen und als solche auch schön anzusehen. Aber, aber - es bleibt Werbung. Die Textversatzstücke, die sich dazwischen finden, verblassen irgendwie und laden nicht zum Lesen ein.

Montag, 18. Oktober 2010

Covergirls

Seit Beginn des Jahres 2010 verzichtet die Frauenzeitschrift Brigitte komplett auf professionelle Models auf dem Cover und auch innerhalb des Heftes (Eine Ausnahme bildet die Berichterstattung zu Modeschauen etc.). Das Interesse am neuen Konzept war groß. In sämtlichen Medien wurde diskutiert, Modeschöpfer, Models und sonst wer äußerten sich zu der Idee der Brigitte. Die Kritik erstreckte sich von Beigeisterung bis hin zu Empörung. Die Zeitschrift selbst vermarktet ihre Idee nach wie vor als Erfolg.
 
Quelle

Nur noch normale Frauen auf dem Titelbild einer Zeitschrift mit einer Auflage von knapp 800.000 - ist doch toll! Mag die eine oder der andere denken. Ja sicher, Leser_innen sehen sich nicht mehr mit makellos schönen Models konfrontiert, die eine Kleidergröße tragen, die jenseits von Gut und Böse ist. Was aber blieb, war das Wissen, dass es der Job des Models ist, gut auszusehen, wenig bis nichts zu essen, den ganzen Tag damit zu verbringen, die Haare gebürstet und die Lippen geschminkt zu bekommen. Photoshop tat dann sein Übriges.


Jetzt sind die Models der Brigitte "normale Frauen". Solche, die dann mit 47 drei Kinder zur Welt gebracht haben, nebenher eine Karriere als Staatsanwältin eingeschlagen haben, in der Woche zwei Mal zum Yoga und einmal zum Indonesisch-Kochkurs gehen und nebenher eine glückliche Partnerschaft führen (Die Models werden dem_der Leser_in zum Teil vorgestellt.) Da bleibt dann dem_der Durchschnitssleser_in die Spucke weg.