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Dienstag, 29. November 2011

Blattkritik: "Fräulein" die Zweite

Neulich kam das Gespräch im Bekanntenkreis auf das immernoch recht neue Fräulein Magazin. Das Missy Magazine sei ja eine coole Zeitschrift, aber für einige vielleicht zu direkt, zu politisch. Das Fräulein dagegen würde auf sanfte Art ein neues Frauenbild propagieren und Emanzipation als Selbstverständnis präsentieren.


Die zweite Ausgabe des Fräulein ist schon im Sommer irgendwann erschienen. Das Cover präsentiert geschminkte Ungeschminktheit und eine Miezekatze - Tierchen kommen immer gut. Angekündigt wird ein bisschen Politik (Tschernobyl), ein bisschen mehr Mode (Cartier und Bademode) und ein bisschen Angelina Jolie. Außerdem jetzt "24 Seiten mehr". Mehr Platz für Werbung?! Auf die Idee kommt man jedenfalls, denn von den acht (!) Seiten Werbung vor dem Editorial haben die Heftmacher_innen auch bei der zweiten Ausgabe nicht abgesehen. Gut, irgendwie muss sich ein Magazin finanzieren. Aber unterschiedliche Frauen ansprechen wollen und die immer gleichen zeigen (dürr, unterkühlt) widerspricht sich doch irgendwie.

Samstag, 27. November 2010

Nachtrag zu "Sexismus als Steckenpferd" II

Hier wurde bereits über das Werbeplakat von Media Markt berichtet. Auch die erste E-Mail vom Werberat wurde  gepostet.

Gestern kam dann wieder eine E-Mail vom Werberat an mit der Begründung, warum es sich bei dieser Werbung NICHT um Diskriminierung handele:


"Nach Eingang der Stellungnahme des werbenden Unternehmens haben wir die Angelegenheit den Mitgliedern des Deutschen Werberats zur Begutachtung und
Beurteilung vorgelegt. Diese sind zu der Auffassung gelangt, dass die Werbemaßnahme nicht zu beanstanden ist.

Der Deutsche Werberat, die selbstdisziplinäre Einrichtung der Werbewirtschaft in Deutschland, beanstandet eine werbliche Maßnahme dann, wenn sie gegen seine Verlautbarungen oder die darin zum Ausdruck kommenden herrschenden gesellschaftlichen Grundüberzeugungen verstößt. Dies ist unter anderem dann der Fall, wenn Darstellungen oder Aussagen in der Werbung erfolgen, die herabwürdigend oder diskriminierend in Bezug auf Frauen sind. Maßstab der Betrachter ist dabei der durchschnittlich informierte, aufmerksame und verständige Verbraucher, wie er auch von der Rechtsprechung zugrunde gelegt wird.

Montag, 22. November 2010

Die zwei Seiten der Lush-Medaille

Eigentlich scheint Lush ja echt eine schöne Sache zu sein. Kosmetikprodukte, Seifen, Badezusätze und und und komplett frei von Tierversuchen, häufig frei von tierischen Produkten. Irgendwie kommt der Laden auch in Genderfragen ganz gut rüber, wenn die Verkäuferinnen gern mal mit Bart durch den Laden laufen, wie kürzlich in der Kölner Filiale Hohestraße. 

Allerdings scheint das nur die eine Seite der Lush-Medaille zu sein! Die andere Seite offenbart merkwürdige Werbeaktionen am Rande der Legalität, zeigt wie Verkäuferinnen dazu erzogen werden, ihre sexuellen Reize  offensiv für den Verkauf zu nutzen... und wer sich weigert, ist für Lush Geschichte.

Anfang November veröffentlichte der Journalist Hannes Grasegger auf verschiedenen Plattformen Beiträge über die Arbeitsbedingungen bei Lush. Und diese Informationen klingen dann gar nicht mehr so bunt und lustig und unterstützenswert. Grasegger spricht auf Zeit.de von "Öko-Prostitution", auf t-online.de bezeichnet er Lush als "Eine schmierige Naturkosmetikkette", ähnliche Inhalte veröffentlichte er bei der Financial Times und bezieht sich damit auch auf einen älteren Artikel von Kristina Läsker in der Onlineausgabe der Süddeutschen.

Lush streitet jegliche Vorwürfe ab und so steht dann wohl Aussage gegen Aussage.

Das neue Magazin "Fräulein" - Name: Hui. Rest: Pfui!



Gestern habe ich im Bahnhofsbuchhandel das neue Magazin "Fräulein" entdeckt, zwei Euro investiert und das Hochglanz-Heftchen mitgenommen. Das Titelbild wirbt mit Texten zum Körper, Schnittmustern und einem Interview "über dumme Anmachen, Weiblichkeit, Leidenschaft und die zeitgenössische Lady", könnte also von Interesse sein.

Nach acht Seiten Werbung (!!!) - endlich das Editorial. Hier: die Betonung von Liebe und Hingabe für das Projekt "Fräulein". "Fräulein ist eine Mischung aus klassischem Frauen-Magazin und Fanzine." Meine Neugier ist geweckt. Nach dem Werbeüberfall hoffe ich das beste und blättere weiter. Drei weitere Werbeseiten. Es sei noch gesagt, dass es sich hierbei immer um Top-Modelabels handelt (Escada, Jil Sander, Filippa K). 

Dann: das Inhaltsverzeichnis. Nicht wirklich übersichtlich, muss es aber auch nicht sein. Illustriert von Tina Berning ist es aber sehr hübsch. Mein Blättertempo erhöht sich. Anders ist die viele Werbung kaum zu ertragen. Ich bleibe auf einer Seite hängen, die im Grunde auch nichts anderes ist als Werbung. Der Warenfetisch in seiner schönsten Form: hippe Taschenempfehlungen, "herzige" Babyschuhe, Design-Klappbetten... alles wiederum begleitet von Illustrationen und als solche auch schön anzusehen. Aber, aber - es bleibt Werbung. Die Textversatzstücke, die sich dazwischen finden, verblassen irgendwie und laden nicht zum Lesen ein.

Montag, 15. November 2010

Nachtrag zu "Sexismus als Steckenpferd"

Vor einigen Tagen habe ich mich über die derzeitige Media Markt Plakatwerbung mit Mario Barth aufgeregt, woraufhin Kat die Webadresse für ein Beschwerdeformular beim Deutschen Werberat verlinkt hat. Nach dem Abschicken der Beschwerde hat es nicht lange gedauert, und ich hatte eine E-Mail vom Deutschen Werberat. Hier der Wortlaut:

"Sehr geehrte Frau XXX,

wir nehmen Bezug auf Ihre Beschwerde vom 5. November 2010 und teilen Ihnen
mit, dass wir das werbende Unternehmen zunächst zur Stellungnahme
aufgefordert haben.

Über das Ergebnis der Behandlung der Angelegenheit durch den Deutschen
Werberat werden wir Sie unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen
XXX XXX"
Ich bin gespannt und harre der Dinge, die da kommen. Die Plakate sind größtenteils schon wieder aus dem Stadtbild verschwunden. 



Dienstag, 2. November 2010

Sexismus als Steckenpferd

Als ob es nicht reicht, dass wir im TV, im Radio und im Briefkasten mit dem nervigen Gelaber von dem Typen zugespamt werden - jetzt glotzt Mario Barth auch noch von sämtlichen Bushaltestellen, die KVB, BVG und Co. so aufstellen konnten. Gut, aber entgegenschreien kann er einem_r so nicht. Denkste! Kann er nämlich doch! 
Da schreit er dann zum Beispiel in großen goldenen Lettern "Da kannste alles anfassen ohne eine geknallt zu kriegen!" Einatmen. Ausatmen. 
Dass Barth vor sämtlichen Sexismen der Welt nicht Halt macht ist ja bekannt. Aber hier setzt er nochmal einen drauf. Da kann er sich schon mal beschweren, wenn Frauen nicht jederzeit bereit sind, sich von ihm anfassen zu lassen, als wären sie eine Mikrowelle oder ein Verstärker. Ekelhaft. Und dass ich mit meinem Aufregen natürlich genau in die kalkulierte Provokationsfalle tappe - wen interessiert's?
Die Werbung läuft wieder für den Elektrofachmarkt Media Markt. "Ich bin doch nicht blöd" - Biste eben doch!