Donnerstag, 26. Mai 2011

Mixtapes - die Zweite

Dieser zauberhafte Kurzfilm von Luke Snellin ist mir gestern in der Uni über den Weg gelaufen. Er trägt den Titel "Mixtape". 

Mixtape by Luke SNELLIN from Short Film Sessions on Vimeo.



Montag, 23. Mai 2011

Put your camera down - this is not a zoo

Da stehen sie dann, alleine, zu zweit, zu zehnt. Mit ihren Kameras und ihren Blitzen und ihrer Wichtigkeit. Sie wollen die Einmaligkeit des Moments festhalten und verpassen dabei alles. Das Konzert sehen sie nur auf ihren kleinen Displays. Und vielleicht dann zuhause auf dem PC. Aber der Moment ist vorbei. Sie blenden mit ihren Blitzen. Sie stehen im Weg - kein Platz mehr zum Tanzen. Nervt!

Klar, Photos sind wichtige Dokumente. Sie unterstützen Erinnerungen an gute Momente, haben manchmal Kunststatus. Oft aber auch nur Schubladenstatus, denn gemessen an der Menge von Photoapparaten auf gegenwärtigen Konzerten landet doch vergleichsweise wenig im Netz oder in Zines. Und wenn man mal ehrlich ist - einen Anton Corbijn oder Glen E. Friedman bringt wahrscheinlich jede Dekade nur einmal hervor. 

Aber, von dem Phototerror sollte man sich nicht die Laune verderben lassen. Und dass es auch solche unter den Photograph_innen gibt, die ihren Job gut machen und andere Menschen gerne an ihrem "Werk" teilhaben lassen, zeigt zum Beispiel der Photoband Reasons Not Rules

Die Photos wurden vom Face The Show-Team beigesteuert und dokumentieren die gegenwärtige europäische Hardcore-Szene. Wem ein paar Bilder nicht genug sind - es gibt auch Textinput. Where's Waldo-Feeling kommt auf jeden Fall auf. Wer sich in der Szene bewegt wird den einen oder anderen Kumpel und die eine oder andere Freundin entdecken. Oder gar sich selbst. 

Auf ihrem Blog gewähren die Macher_innen auch einen Blick ins Buch. Wer angeteast ist, kann sich den Photoband dann auch direkt da bestellen.

Aus Reasons Not Rules

Dienstag, 10. Mai 2011

The Girl's Got Limits?

Neulich auf einer Show. Eine Bekannte sitzt mit ihren Leuten vorm Venue. Kommt ein Typ. Setzt sich neben sie. Sagt "Hey - I play in a band." Er sagt nicht "Hey - how do you like the show so far?", und er sagt nicht "Hey - nice day. How are you?" Er sagt "Hey - I play in a band." Die Bekannte gibt dem besagten Menschen schnell zu verstehen, dass er so gar nicht erst mit ihr sprechen braucht. Gut so.

Nicht gut, dass solche Situationen immer wieder vorkommen. Als ob Mädchen und Frauen nur auf Hardcore- und Punkrockshows gehen, um Jungs und Männer aufzureißen. Oder vielmehr aufgerissen zu werden. Nein, das ist nicht so. Dennoch ist dieses sexistische Gebahren, welches viele sicher gar nicht als solches identifizieren, allgegenwärtig.

Ich stehe am Plattendistro, ein mir unbekannter Typ kommt und stellt sich neben mich. Ich schau die Platten durch. Er hält mir eine unter die Nase - "Die ist gut." Als würde er davon ausgeben, dass ich keinen eigenen Geschmack habe. So jedenfalls meine Lesart der Situation.

Freitag, 6. Mai 2011

Zine Review: Womanimalistic # 1

Gestern war ich auf der Witches/forgetters Show im Gleis in Münster und es war toll! Die Menschen, die Location und die Bands ohnehin. Der Merchtisch konnte sich auch sehen lassen. Zwar ließen die T-Shirt-Designs echt zu wünschen übrig, aber die Sachen von forgetters-Bassistin Caroline Paquita (Postkarten, Poster und und und) waren echt schön anzusehen! Vor allem ihr Zine stach ins Auge. Ich hab es dann auch direkt mal mitgenommen! Gut investierte drei Euro!

Cover vom ersten Womanimalistic-Zine
Womanimalistic heißt das Zine. Der Titel ist allein schon super. Ich habe die erste und bisher einzige (?) Ausgabe gekauft. Gemacht hat Caroline das Zine im September 2010. Es ist also schon etwas älter. Aber da sie nicht über Tagesaktuelles schreibt, ist das wirklich egal. 

Das komplette Zine ist liebevoll von ihr illustriert. Das Cover siehst Du links, wenn Du mehr von Caroline anschauen magst, schau mal auf ihrem Blog, oder bei den forgetters. Ihre Menschen sind zum Teil irgendwie tierisch, daher wohl auch der Name des Zines. Caroline zeichnet aber nicht nur Frauen, auch Männer, Bienen und Hello Kitties. Farblich bewegt sich das Zine zwischen Rot und Blau. Technisch setzt Caroline auf Siebdruck. Risographie ist das Stichwort. Das komplette Zine ist in ihrem Wohnzimmer entstanden. Und - eieiei - das muss eine Arbeit gewesen sein. 

Donnerstag, 5. Mai 2011

MY DIY - Herder vom Three Chords

Photo: Herder
Fanzines gibt es schon ewig. Fußballzines, Star Trek Zines, Comiczines, Perzines.  Einige habe ich euch schon im Rahmen des Riot Grrrl-ABC vorgestellt (Schau mal hier, hier, hier, hier, oder hier). Selbstredend gibt es auch im Hardcore und Punk zahlreiche. Zuletzt habe ich das Tofukatze-Zine gereviewt. Ein Zine, welches mich schon seit geraumer Zeit begleitet, ist das Three Chords. Hardcore, Punk, Skateboarding - das sind wohl so die Hauptthemen. In gut geschriebenen Kolumnen, Reviews, Interviews... werden aber durchaus auch mal andere Themen angeschnitten. Wenn Du mehr zum Three Chords wissen willst, dann schau mal hier

Einer der Macher des Three Chords ist Herder. Intern wird er gern Pressesprecher genannt und ich finde, er macht seinen Job ganz gut. Sein MY DIY jedenfalls gefällt mir. Seit kurzem bloggt er  übrigens auf urbanwaste.blogspot.com. Mehr MY DIY!

Mittwoch, 4. Mai 2011

Zine Review: Tofukatze #4

Das Bild hab ich hierher.
Gestern war ich bei Greenhell. Und als ich da schon mal so im grünen Diskurs drin war, ist mir die Tofukatze aufgefallen. Sie ist nämlich grün. Zumindest die Ausgabe, die ich dann für einsfünfzig gekauft habe. Katzen sind eigentlich nur bedingt mein Ding, aber Tofu find ich super.

Und die Tofukatze ist eigentlich auch ziemlich witzig. Okay, in Sachen Rechtschreibung herrscht totale Anarchie, aber ins Konzept passt das schon. Ein hübsches Schere&Klebe Zine, abgesehen vom Cover schwarz/weiß, illustriert mit allerhand Socken und Schnipseln. Handgemacht und handkopiert. 

Nach einem privaten Rückblick auf das letzte Frostpunx in Mülheim legt die Tofukatze mit der Sockentheorie los. Frei nach dem Motto "Zeig' mir Deine Socken und ich sag Dir wer Du bist", wird hier tiefenpsychologisch Kleinbürgertum und Patriarchat anhand von Strümpfen entlarvt.

Dienstag, 3. Mai 2011

Queer-feministisches Ladyfest in Münster

Gerüchteweise hatte ich ja schon davon gehört, heute habe ich endlich mal ein Plakat gesehen. Ich hatte auch schon fast wieder vergessen, dass das Ladyfest ansteht. Mehr Infos bekommst Du hier.


Und mehr Allgemeines zum Ladyfest findest Du im Riot Grrrl-ABC!

Sonntag, 1. Mai 2011

I Wish He'd Just Be Himself

Cathy and Claire know the deal. Was bei uns das Dr. Sommer-Team ist, waren in den 1970er Jahren in England Cathy und Claire. Auch hier sind es keine bestimmten Personen, welche die Fragen der Leserinnen beantworten, sondern ein Redaktionsteam des Jackie Magazine. Dieser Auszug ist wiederum aus einer Zusammenstellung der schönsten, spannendsten und problematischsten Briefe überhaupt.

Samstag, 30. April 2011

Constanze - die Verbündete der Frauen in den 1950er Jahren

Im letzten Dies und das und differentneeds habe ich ja schon erwähnt, dass ich ein paar alte Constanze-Zeitschriften aufgetrieben habe. Vier Ausgaben aus den Jahren 1950, 1951, 1952 und 1960 liegen jetzt auf meinem Schreibtisch und ich werde sie hier nach und nach vorstellen.

Wie im Überblicksartikel auf der Homepage des Wirtschaftswundermuseums zu lesen ist, erschien die erste Ausgabe von Constanze bereits im Jahr 1948. Durch die Nachkriegsjahre hinweg begleitet sie Leserinnen und auch Leser. Die Auflage liegt 1950 schon bei 415.000 Heften. Der Preis von anfangs 60 Pfennig ist sicher nicht teuer, dennoch sind Zeitschriften zu dieser Zeit eher ein Luxusgut. 1969 wird aus der Constanze schließlich die Brigitte, die uns auch heute noch bekannt ist und jüngst durch ihre "Keine Models"-Initiative auch für nicht Leser_innen Thema wurde.

Aber zurück zur Constanze! Die älteste meiner Ausgaben ist Heft Nummer 5 aus dem dritten Jahrgang, also das erste Märzheft 1950 (auf dem Photo in der Mitte zu sehen). Vom Cover lächelt Ingelore Körner, eine Nachwuchsschauspieleren. Sie lächelt übrigens ziemlich groß, was dem ungewöhnlichen Format der Zeitschrift zu verdanken ist (26 x 35 cm). Der Großteil des Magazins ist schwarz/weiß, auf dem Cover und zum Teil auch innen finden sich aber auch rötliche Passagen.

Freitag, 29. April 2011

Flaming Iguanas von Erika Lopez

In einem wunderbar gestempelten Umschlag kam eines schönen Wintertages "Flaming Iguanas" von Erika Lopez bei mir an. Zum Lesen bin ich aber erst jetzt gekommen. 

Erika Lopez zeichnet Comics, illustriert und schreibt. Sie ist Tochter eines Puerto Ricanischen Menschenrechtler-Vaters und einer Deutsch-Amerikanischen Mutter. Groß wird sie in den den Suburbs von Philadelphia und besucht hier auch eine Kunsthochschule. Nachdem diverse Versuche ein "geregeltes Leben" zu haben scheitern, lernt sie Motorradfahren und durchquert Amerika. 

Die Fahrt durch die USA ist dann auch die Inspiration für Flaming Iguanas, denn um nichts anderes geht es in diesem "All-Girl Road Novel Thing". Die Künstlerin Tomato Rodriguez, die nicht weiß, wo es im Leben hingehen soll und vor allem wie, entscheidet sich mit dem Motorrad die USA zu durchqueren um ihren krebskranken Vater zu besuchen.

Donnerstag, 28. April 2011

MY DIY - Martina Lenzin

MY DIY ist eine Rubrik, welche die unterschiedlichen Facetten des DIY sowie die Weiterentwicklung dessen beleuchten soll. Dazu lasse ich auf differentneeds verschiedene Menschen zu Wort kommen, die ich alle auf die eine oder andere Weise spannend finde. 

Photo: Janna Wendt
Heute ist Martina Lenzin dran. Hier habe ich vor kurzem ihr Comic rpm gereviewt. Sie zeichnet gern, viel und - was sie von mir unterscheidet - gut! Wenn Du ein bisschen was von ihr sehen willst, schau mal auf ihrem Blog vorbei. Außerdem singt und spielt sie in der Hamburger Band Honeyheads.

Martinas Statement zu MY DIY ist wiederum anders, als alle bisher da gewesenen. Sie hat in ihrer Diplomarbeit, deren Ergebnis wiederum auch rpm ist, über DIY geschrieben.  Sie bezieht sich, wie auch im Comic, vor allem auf die Thatcher-Zeit. Der Titel der Arbeit lautet "Revolutions Per Minute – Wie Post-Punk uns vorgemacht hat, unsere eigenen Verleger zu sein." Hier kommt der Teil, der für MY DIY besonders spannend ist:

"“We did not enjoy any other girl images that were around so we stripped down all the conditioning and Punk helped us to do that.” (Ari Up/ The Slits 1) Man muss kein Instrument beherrschen, keinen bestehenden harmonischen oder rhythmischen Schemata folgen, sich keinerlei Industrie anbiedern und dennoch heißt das nicht, dass man alles ablehnen, alles niederreißen oder vergessen muss, um sich musikalisch auszudrücken. Schlichter: Man kann alles tun! “Make a statement and be done.” (Lee Ranaldo/ Sonic Youth 2) Alles in die Hand nehmen, alles in der Hand umdrehen, hinterfragen, es nach eigenem Bedarf und eigens erworbenem Umgang anwenden! 

Freitag, 22. April 2011

Dies und das und differentneeds

So, da haben sich mal wieder ein paar nette Sachen angesammelt, über die es sich kurz zu schreiben lohnt. 

Im Emma-Forum tobt eine Disskussion um den bereits hier besprochenenen Beitrag zum Treffen von Redakteurinnen der Emma, des Missy Magazine und von Frau Lila. Reingucken und ein bisschen mitlesen oder gar mitdiskutieren lohnt sich. Die Meinungen gehen nach wie vor weit auseinander.

Und da wir grad schon beim Missy sind... dort ist grad ein Teil des Studiengangs Gender Studies aus Basel zu Gast und bloggt eifrig über Slipeinlagen und Computerspiele. Das ganze läuft übrigens im Rahmen eines Seminars, welches Missy-Chefredakteurin Sonja Eisman veranstaltet. 

Quelle: business-punk.com
Bei den Zeitschriften tut sich grad auch einiges. Kürzlich hatte ich am Düsseldorfer Flughafen ein bisschen Zeit und habe mich im Pressehandel über ein Magazin namens Business Punk amüsiert. Vielleicht auch eine Art Weiterführung des DIY? Nein, eher nicht. Das Layout will sicher hier und da an ein Zine erinnern. Aber Hochglanz plus Business Content, da ist von DIY nichts übrig, wenn überhaupt mal was da war. 

Ein neues Fräulein ist außerdem auch auf dem Markt. Ich hatte schon die Vermutung, es sei nach der ersten Ausgabe bereits wieder ausgestorben. Ist es aber nicht. Dieses Mal habe ich die zwei Euro nicht investiert und werde es auch nicht tun. Beim Durchblättern am Flughafen ähnelte es nämlich sehr der ersten Ausgabe, und warum ich die scheiße fand, kannst Du hier lesen.

Zur Abwechslung habe ich mich dann mal den alten Frauenzeitschriften gewidmet. Constanze war die Vorgängerin von Brigitte und hat in den 1950er und 1960er Jahren schon einiges zu erzählen gehabt. Einen Überblicks-Aufsatz mit vielen Scans von Titelbildern findest Du hier, mehr sicher demnächst auf differentneeds.

Donnerstag, 21. April 2011

MY DIY - Chris von lostinsabbath

MY DIY ist eine Sammlung von Ideen rund um DIY, verfasst von Menschen, die ich alle auf die eine oder andere Art spannend finde, die Dinge selbst machen, ob im klassischen DIY-Ethos und in dessen Weiterentwicklung.

Heute ist Chris am Start. Er bloggt auf lostinsabbath.blogspot.com und http://www.cvltnation.com/, spielt Gitarre bei Goldust und hat bereits diverse Zines auf den Weg gebracht (Final Expression, No Comment...). Ich warne Dich: Er flucht ziemlich viel. Dennoch oder gerade deswegen - viel Spaß beim Lesen!

Photo: privat
"Niemand da draußen wartet auf Dich. Niemand lauert darauf, Dir zu helfen und Deine Ideen zu verwirklichen. Kein Mensch interessiert sich für das was Du machen könntest oder machen willst. Kein Mensch ist von Deinen Ideen und Vorstellungen so beeindruckt, dass er/sie völlig selbstlos alles daransetzt, Dir zu helfen. Du stehst mit Deinem Leben völlig alleine da, und niemand, ich wiederhole, NIEMAND gibt etwas darauf, was Du willst und was Du Dir wünschst. Du denkst, es wäre jemanden daran gelegen, Deine Gedanken zu erraten? Dir zu helfen? Vergiss es. Du bist allein, und wenn es Dich nicht gäbe, würde das prinzipiell auch niemanden stören, zumindest insofern es Dich nie gegeben hätte. Klinge ich wie einer dieser superhippen Wichser, die in Scharen ins Dickicht der Städte ziehen, um ihren vermeintlichen Nihilismus auszuleben? (Was, nebenbei bemerkt, ohnehin ein Paradoxon ist.) Mag sein.